Trillerpfeife war gestern



Schwimmmeister Frederik Dietzel über Dienstbadehosen, Sand zwischen den Zehen und seinen Traumberuf im Freibad Heiden


Sein Revier ist der Beckenrand: Frederik Dietzel

Freddy war fünf, als er im Urlaub das Schwimmen lernte. Heute ist er 24 und neuer Schwimmmeister im Freibad Heiden. Das der Beruf  vielschichtiger ist, als mancher denkt, erzählt er kurz vor Beginn der Badesaison einem Seepferdchen, 



        


dem er an seinem neuen Arbeitsplatz begegnet ist: 

Seepferdchen: Wann bist Du das letzte Mal vom Beckenrand gesprungen?

Frederik: Unerlaubterweise in meiner Kindheit. Da konnte der Bademeister noch so viel schimpfen.

Hat der Schwimmmeister denn immer Recht?

Na klar! Weil er’s meistens besser weiß und die Intention dahinter steht, dass alles sicher zugeht, dass niemand sich und andere in Gefahr bringt. Wenn ich einen vom  Beckenrand springen lasse, dann springen bald auch andere. Deshalb schreite ich umgehend ein.

Bist Du von Haus aus ein strenger Typ, oder hast Du das erst gelernt?

Wenn man streng ist, ist man ja nicht böse. Ich bin konsequent und dabei höflich. Man muss autoritär wirken. Zunächst ist mir das schwer gefallen, aber man findet Mittel und Wege. Alle Badegäste sollen schließlich gerne ins Freibad Heiden kommen und sich dort wohl fühlen. Mich begeistern der Umgang mit den Menschen und die verschiedenen Herausforderungen, die die Leitung eines Bäderbetriebes mit sich bringen. Dabei liegen mir insbesondere die Sicherheit der Freibadbesucher und die Sauberkeit des Bades sehr am Herzen.
  

Hast Du eigentlich eine Dienstbadehose?

Hab ich nicht.  Aber rote Polo - Shirts bekomme ich von der FBI gestellt. Sie passen zu den weißen Shirts der Vereinsmitglieder, die mich bei der Wasseraufsicht unterstützen und auch den blauen Polos der Kioskbesatzung im Freibad Heiden.

Was war das für ein Tag, an dem Du Dich entschlossen hast, Schwimmmeister zu werden?

Die Berufsbezeichnung gibt es übrigens gar nicht mehr. Es heißt: "Fachangestellter für Bäderbetriebe". Ich wollte nach der Schule unbedingt etwas Sportliches machen, bei dem ich aber auch mit Menschen zu tun habe. Als die Stadt Lage Azubis zum Fachangestellten für Bäderbetriebe suchten, habe mich über den Beruf informiert und dachte, das passt. 

Was ist das größte Vorurteil ?

Dass der Bademeister einer ist, der rumsitzt, rumläuft und rummeckert – und dass er eine Pfeife um den Hals trägt. Das habe ich früher übrigens auch mal gedacht. Aber der Beruf ist natürlich viel, viel anspruchsvoller – körperlich und auch geistig. Die Arbeit ist vielschichtig. Das A und O ist der Umgang mit Menschen. Ich gebe Schwimmkurse für Kinder und für Erwachsene und leite Wassergymnastik und Aquafitness an. Ich bin auch für die technischen Abläufe des Freibades zuständig und muss zum Beispiel dafür sorgen, dass das Wasser aufbereitet wird. Wartung, Reinigung, Reparaturen – das müssen wir alles können. 

Es gibt  ambitionierte Hobby-Schwimmer und es gibt planschende Jugendliche; manche wollen einfach nur auf einer Schwimminsel liegen;  sind oft Streitigkeiten zu  schlichten?

Wenn jemand meint, wild toben zu müssen und nebenan trainiert jemand Delfin, gibt es auch mal eine Beschwerde. Ich bin dann eine Art Moderator: Erkläre dem einen, dass es dazugehört, dass es im Schwimmbad mal spritzt, bitte den anderen, ein wenig ruhiger zu machen.

Willst Du grundsätzliche Änderungen in Heiden einführen?

Mein Wunsch ist es, am Bewährten festzuhalten, aber auch für Neuerungen offen zu sein. So wird es auch in Zukunft Schwimmkurse für jedermann geben, aber auch neue Übungsstunden wie Aqua-Jogging.

Was ist Dir lieber, die Fliese unterm nackten Fuß oder der Sand zwischen den Zehen?

Sand haben wir in Heiden auch, denn die Matschanlage für die Kleinen ist natürlich mit frischem Sand aufgefüllt worden. Aber mehr Aufmerksamkeit erfordert die laufende Reinigung der Fliesen in den Umkleiden, Toiletten und Duschen.

Angenommen, eine gute Fee setzt sich auf den Sprungbrett: Welche Wünsche hast du für Deine erste Saison in Heiden?

Ich freue mich total auf die Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der Freibadinitiative. In einem kleinen Bad wie in Heiden geht es einfach viel familiärer zu, als in einem großen Erlebnisbad. Noch dazu ist die Technik auf einem hervorragenden Stand. Die Becken sind in den letzten Tagen mit einem neuen Anstrich versehen und die Schatten spendenden Bäume von einer Fachfirma aufwändig gepflegt worden. Ich wünsche mir einen tollen Badesommer mit viel Sonnenschein. Wenn die Sonne es gut meint, können wir an Pfingsten eröffnen. Das Freibadfest findet dann am 2. Juniwochenende statt.
 

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